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 Betreff des Beitrags: Die Geburt des Waldes
BeitragVerfasst: Fr 29. Jun 2012, 21:19 
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Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1208
Die Geburt des Waldes

Nach 60 Jahren Dasein in verschiedenen Kellern der Welt jetzt im Licht der Weltöffentlickeit:

Bild

Code:
Inhalt

.      001 Wie entstand der Wald ?

(I)    021 Die Ahnen der Wälder

(II)   028 Im Kohlensumpf

(III)  035 Der Braunkohlenwald lebt noch

(IV)   078 Wo gibt es noch Tropenwälder ?

1.     087 Der Anblick der Wälder Indiens
2.     104 Die Urwälder Ausstraliens
3.     118 Die Tropennatur auf den Südseeinseln
4.     134 Der Amazonaswald

(V)    144 Die Wälder der Heimat

1.     146 Das Frühlingwerden - ein Lichtgeheimnis
2.     154 Hie Forst - hie Wald
3.     164 Leben im Unterirdischen
4.     170 Die letzten Geheimnisse des Waldbodens
5.     178 Der Hofstaat der Bäume
6.     187 Wie leben Pilze ?
7.     195 Zwerge hausen im Moosurwald
8.     202 Wenn der Wald blüht
9.     208 Waldboden beschäftigt ein tausendköpfiges Arbeitsteam
10.    217 Schöne Waldblumen
11.    227 Waldvögel sid nicht nur Sänger
12.    236 Mittag und Mitternacht im Forst
13.    246 Das wirkliche Leben des Wildes
14.    253 Lebensgemeinschaft Wald
15.    262 Auch der Wald hat eine natürliche Grenze
16.    272 Großer Herbstausverkauf
17.    282 Waldwinter

(VI)   293 Allerkleinste Idyllen

1.     293 Die Wiese der Sommervögel
2.     299 Dämmerstunde
3.     307 Der fliegende Wald
4.     314 Der Spinnenwald
5.     327 Einsamer Räuber
6.     337 Ein Tag aus dem Leben eines Stutzflüglers
7.     347 Eine Raubschnecke ist immer noch ein Eiszeitjäger
8.     351 Ein Bär ? Nein, nur ein Bärtierchen
9.     355 Der unentbehrliche Regenwurn

(VII)  359 Die Strafen der Entwaldung

       368


Das Entstehungsdatum schätze ich mal auf die Zeit 1960 - 1970

Wer das Werk in computerlesbaren Text konvertieren möchte (OCR Texterkennung) wird gerne unterstützt.

Anschließend ist eine Veröffentlichung als Book-on-Demand möglich.

Download:
https://skydrive.live.com/redir?resid=897D3450AE92472F!173&authkey=!AOJUagijLcIR4w4

In Skydrive rechts oben auf "Herunterladen" klicken.
Wie die Vorschau der pdf-Datei im Browser geht weiß ich im Moment nicht.
Früher gings mal ..


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Geburt des Waldes
BeitragVerfasst: So 1. Jul 2012, 06:46 
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Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1208
Quergelesen:

Schätze mal mal, es ist weder Neues noch Besonderes zu lesen.
Es ist ein populärwissenschaftlicher Text wie viele andere, die zur Finanzierung des Lebensunterhaltes und der wissenschaftlichen Tätigkeit dienen sollten.
Wie immer bei den Frances wird eine Detailsicht mit einer Gesamtsicht verknüpft.

Alles vergeht, nur der Wald besteht - weil sich die Waldgemeinschaft beständig verändert (hat).

Aber auch der Wald kann "sterben", durch Naturgewalten - und durch den Menschen.

Es gibt 4 Typen von Urwäldern (wie früher auch).

Im Text findet sich eingestreut die Wiedergabe von persönlich Erlebtem und Besichtigtem (siehe ihre Weltreise-Tagebücher).

Fundstücke:

"Im Urwald, und zwar in jedem Urwald, dominiert die Pflanze. Pflanze zu Pflanze wahren alle die Gemeinschaftsgesetze. Das Tier wird geduldet, sogar bis zur Elefantenherde. Für den Menschen, besonders für den wenig anspruchsvollen Farbigen, ist nur soviel Raum, wie die Indianderdörfer nahe am Flußufer brauchen, dazu einige Fruchtbäume und sorgsam bebaute Felder mit Maniok, Taro und Hirse. Will er mehr, so beginnt der Kampf, in dem der Mensch zumeist unterliegt."
S.78 f

"Am 2.Februar war mein Salzburger Berggarten voller Blumen !"
S.292
Na, da hat sie in Salzburg nicht nur ein Zimmer sondern auch einen Garten gehabt.
Wo der wohl war ?

Das letzte Kapitel "Die Strafen der Entwaldung" gibt nochmal im Schnelldurchgang den Zusammenhang von
Wald - Humus - Fruchtbarkeit für die Existenz des Lebens auf unserem Planeten - so wie wir es bisher kennen.


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Geburt des Waldes
BeitragVerfasst: Sa 7. Jul 2012, 14:36 
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Registriert: Sa 12. Dez 2009, 18:31
Beiträge: 1208
Habe mal das letzte Kapitel probehalber hier
http://www.onlineocr.net/
online kostenlos mit OCR in Txt verwandeln lassen.
Mit >95% ist das Ergebnis ganz annehmbar.


Code:
[b]VII. Die Strafen der Entwaldung[/b]

     Mühelos ließen sich die Beschreibungen des tausendfältigen Lebens fortsetzen, die alle zusammen in einem unvergänglichen Mosaik die Wälder unserer Heimat erhalten. Aus ihnen erfährt man die Wichtigkeit auch des scheinbar Unwichtigen und daß jeder, Freund und Feind, Leistungen übernimmt, aus denen sich dann Stufen größerer und ganz großer Lebensgemeinschaften aufbauen. Ihnen allen ist es zu danken, daß das Herz von Europa grün ist - ganz im Gegensatz zu Asien, Afrika oder Australien. Ein einziger Flug von den Pyrenäen bis zum Hügelland an der Wolga kann uns das beweisen.
     Und dennoch steigt auch aus Elk diesem, wie es scheint, unerschöpflich grünen Europa das Gespenst der Verwüstung und hinterläßt deutliche Spuren über die bösen Wege, die alle mit Entwaldung begannen und alle mit der absoluten Unfruchtbarmachung ganzer Länder endigen.
    Wer wie wir in der "Kampfzone der Waldverwüstung" über ein Jahrzehnt gelebt hat, der besitzt das Recht, warnend seine Stimme zu erheben, wenn Großindustrien oder Stromkraftwerke auf Kosten der Wälder errichtet werden sollen. Waldausmerzungen von größeren Umfang sind unter allen Umständen Infektionsstellen, durch die in eine mit Mühe gesund erhaltene Landschaft alles Unheil eindringt: Luftverseuchung, Störung und Verpestung des Wasserhaushaltes, schädliche Staubentwicklung, Minderung der Niederschläge bis zur Ausbildung von echten Trockenperioden, die dann stets mit gefährlichen Überschwemmungen abwechseln. Dazu erhöhte Sturmschäden aller Art. In den Alpen kommen dazu Lawinen und Vermurungen, letztere bis zum Abrutschen ganzer Bergwände und der Zerstörung des Strassennetzes auf viele Kilometer. All das, gefolgt von der Ansiedlung ganzer Dörfer, tritt nicht ohne Entwaldung ein. Nur sie is der erste Anlaß, auch wenn die Überschwemmungen erst im Unterlauf einsetzen, denn die Störung der Regulation erfolgt bereits im Oberlauf und im Quellgebiet der großen Ströme. Es gibt nichts, was ihre Auswirkung zu hindern vermöchte.
     Alle menschliche Technik, so bewundernswert sie ist, genügt nicht, das ganze Inferno von Katastrophen abzuwenden, das von der Vernichtung der Wälder ausgehen kann.
     Fast alle einstigen Kulturländer sind den Folgen der Entwaldung zum Opfer gefallen. Die Austilgung der Mittelmeerländer von der Liste führender Kulturen ist auf ihre Rechnung zu setzen. Die Geschichte der Antike wäre anders abgelaufen, wenn nicht generationslange Hungersnöte in den bis heute verkarsteten Gebieten Politik, Gesetze, Sicherheit, Zivilisation negativ beeinflußt hätten.
     Das nun folgende Kapitel gibt eine kurze Übersicht über das Unheil der Entwaldung, das die einst reichsten Provinzen dem Bodenverfall und der Humusverarmung auslieferten.

-

     Wenn die Menschen die Weltgesetze nicht verstehen oder geflissentlich mißachten, dann geraten sie stets in einen Kampf mit der Natur. Wie der aber ausgeht, das kann uns an einem wahrhaft erschütternden Beispiel der traurige Zustand zeigen, in den as alle südlichen Länder Europas und ein erschreckend großes Gebiet in allen übrigen Erdteilen durch die Schuld des Menschen geraten sind.
     Das große Weltgebot lautet: Die Natur ist ein ausgeglichenes System aller Kräfte und Wesen. Wenn sie sich das Gleichgewicht halten, dann gedeiht jeder einzelne am besten.
     Es gibt also keinen "Herren der Erde", keine "Beherrschung der Natur", wenn dieser Satz wahr ist. Und wenn irgend ein Wesen das Gleichgewicht stört und gegen den Ausgleich sündigt, dann müßte es sich an ihm rächen.
     Die alten Bewohner der Ufer des Mittelmeeres scheinen diese Wahrheit gekannt zu haben, denn sie hielten die Natur für heilig. Das bedeutete in der "Lebenspraxis" sie verwüsteten sie nicht sinnlos. Sie schonten "heilige Haine", sie hatten Ehrfurcht vor dem im Süden ohnedies kargen Walde überhaupt, sie hielten ja sogar Tiere für heilig, wofür man sie später, als sich das alles änderte, nicht wenig verspottete. Ureinwohner Siziliens und Sardiniens schonten die großen Wälder welche diese Inseln bedeckten, in Griechenland schützte man die ohnedies nicht zu zahlreichen Haine als zum Kult gehörig; die Berge Syriens waren mit großen Zedernwäldern begrünt, die nicht betreten werden durften. Italien war v o r den Römern ein grünes Waldland. Die alten Schriftsteller geben uns wahrhaft entzückende Schilderungen davon. So berichtet z.B. Diodor, der Beschreiber Siziliens im Altertum, daß dort üppige Fruchtbarkeit geherrscht habe. Sizilien war - neben Ägypten - eine der großen Kornkammern der Welt. Unser Dichter rühmt die herrlichen Seen darin, die von dichten Eichenwäldern umgeben waren. In der gefälligen Sprache, welche die antiken Schriftsteller auszeichnet, sagt er: "In den Schluchten sprudelten Quellen von erquickendem Trinkwasser hervor, der Blumenteppich, welcher den Waldesboden bedeckte, war so dicht, daß die jagenden Hunde vor Blumenduft die Fährte des Wildes verloren."
     Das alles ist nicht mehr. Ganz Unteritalien hat nur mehr einen einzigen großen Wald, den einst räuberberüchtigten Silawald in Kalabrien. Auf Sizilien gibt es weder Wälder. noch Seen, die "Kornkammer" ist vertrocknet. Nicht nur, daß kein Getreide mehr ausgeführt wird ; unter einem elenden unsozialen System litten selbst die Bauern dort Hunger. Die Kulturen sehr edler Orangen, die sich rühmen, niemals giftige Spritzmittel zu verwenden, sind gewissermaßen eine Wiederauferstehung der einstigen paradiesischen Üppigkeit. Griechenland und die albanischen Gebirge sind eine ergreifende Wüstenei; alle Randgebirge und Inseln des östlichen Mittelmeeres sind entwaldet, die Libanonzedern sind bis auf Reste gefällt, allüberall hat die Wüste und Felsensteppe an Platz gewonnen, ein Eden der menschlichen Zivilisation ist verdorrt, untergegangen, entvölkert, es ist heute für die Kultur bedeutungslos geworden.
     Und das nur, weil man das Weltgesetz mißachtete, indem man den Ausgleich der dortigen Natur durch zu große Entwaldung störte.
     Begonnen mit dem Frevel haben wohl die Punier. Am Kastenrande ihrer großen Städte haben sie in den Randgebirgen die Wälder geschlagen, um Holz für die Schiffe ihrer großen handelsflotte zu gewinnen. Als Karthager haben sie das zweifelsohne überall fortgeführt, wohin sie den Fuß setzten. Auch die Athener sind nicht von Schuld frei. Für den großen Kampf mit Syrakus, der den endgültigen Abstieg Athens besiegelte, haben sie ganze Wälder umgehauen, dem Schiffsholz zuliebe. Die Römer jedoch haben diesen Raubzug gegen den Wald im größten Stile fortgesetzt. Zunächst war es selbstverständlich auch für sie eine Notwendigkeit, zu roden, um sich in Italien genügend Lebensraum zu verschaffen. Das ist ein natürliches Recht und steht jedem lebenden Wesen zu. Man darf aber nicht das Gleichgewicht stören, sonst wenden sich die Naturgesetze gegen den Störenfried. Die Römer verstanden das Gleichgewicht nicht zu wahren, das die Natur ihres Landes von ihnen forderte. In der republikanischen Zeit konnte es noch hingehen, aber das Kaisertum brach mit den einfachen Sitten und der Sparsamkeit des Lebens. Was die Welt seitdem so oft zugrunde gerichtet hat: die rasende Verschwendung durch eine entartete Herrscherkaste und einen wie ein Feuer alles verzehrenden Luxus, das begann damals zum erstenmal im Abendland. Ein schamloser Raubbau setzte ein, ein fortgesetzter Verfall aller natürlichen Begriffe und Sitten richtete das römische Volk und das römische Land systematisch zu Grunde. Man hat immer wieder dem Erstarken der christlichen Vorstellungen die Schuld beigemessen, daß die alten heiligen Haine fielen und daß mit dem Schwinden jeder Naturverehrung die sinnlose Zerstörung der Natur anhob, die bis heute andauert. Aber das Christentum tauchte ja selbst nur als eine Verfalls- und Entartungserscheinung der römischen Welt auf und ist keineswegs der Ausgangspunkt der It bedauerlichen Erscheinungen. Der Glauben an die Naturheiligkeit hatte schon vor dem Auftreten der christlichen Ideen seinen Boden verloren, sonst wären diese Ideen weder möglich gewesen, noch hätten sie den Sieg errungen. Sie haben nur fortgesetzt, was das Cäsarentum verbrochen hatte.
     Schamloses Spekulantentum - schon Cäsar selbst und dann die lange Folge aller der berüchtigten römischen Multimillionäre schließlich noch die Byzantiner im oströmischen Reich ließen die Wälder schlagen und das Land in jeder Weise ausplündern. Die Adeligen des Frühmittelalters vollendeten nur ein zu drei Viertteilen getanes Werk. Und der Erfolg ?
     Es ist für einen Naturfreund herzbrechend, heute diese einst schönsten und fruchtbarsten Landschaften Europas in einem Zustand von manchmal völliger Wüstenei zu sehen. Alle Gebirge in Süditalien und Sizilien sind entwaldet bis auf wenige Ausnahmen (der Aspromonte in Kalabrien ist eine solche), der Karst am Adriatischen Meer, die dalmatinischen, albanischen und griechischen Berge sind wüst, das Innere von Sardinien ebenfalls, sowie ein großer Teil von Spanien, ganz Syrien und ein Großteil von Kleinasien. Alle Inseln: Kreta, Cypern, Malta, die kleineren sind waldlos. überall kahle Felsen, Sandhügel, breite Kiesbetten der Bergflüsse, die neun Zehntel des Jahres ausgetrocknet sind und bei den Gewittern ihren Wasserschwall in wenigen Stunden verheerend in das Meer wälzen, um dann wieder zu versiegen auf Wochen und Monate. Wilde nackte Kalkberge ohne das geringste Grün in tageweiter Erstreckung, Stein- und Kieswildnisse, in denen kein Ackerbau möglich ist, in denen selbst die Tierzüchter und Ziegenhirten, die überall im Süden an Stelle der Ackerbauer eingezogen sind, kaum zu existieren vermögen.
     Die Bevölkerungszahl aller dieser Gebiete ist wesentlich gesunken. Es können heute hier nicht mehr so viel Menschen leben wie im Altertum. Die Entwaldung allein hat es bewirkt, daß der Kultur- und Großmachttraum des Griechenvolkes für immer ausgeträumt ist. Nach dem großen Waldfrevel sank die Zahl der griechischen Bevölkerung in Altgriechenland, Kleinasien und Süditalien so erschreckend, daß sich das ereignete, was man später auch anderswo erlebte: Man erlaubte fremden Völkern die Ansiedlung, man zog sie sogar in das Land. In Griechenland erschienen damals die Balkanier vom Norden her; sie waren Ziegenhirten und an ein ärmeres entbehrungsreiches Leben gewöhnt. Sie nahmen griechische Bildung und Sitte an, kamen sie doch als friedliche Kolonisten, aber in ihnen lebte natürlich nicht der griechische Geist. Ein Slavenmischvolk entstand, das zunächst die schreckliche iulturtragödie des byzantinischen Reiches verursachte und dann nach dessen Uberwältigung durch die Türken jahrhundertelang in ewigen Balkankriegen sich gegenseitig aufrieb. In Kleinasien und Syrien wanderten die Türkenvölker und die Beduinen ein und löschten jede Art von griechischem Geistesfeuer aus.
     Und in Süditalien zertrampelte der römische Ausbeuter alles, und die Reste schwemmte die VölkerWanderung hinweg.
     Auch andere Länder haben solchen Besiedlungswechsel und derartiges Unglück erlebt, man blättere nur in der Geschichte unseres eigenen Landes, über das auch Völkerwanderungen, Eroberer, sogar ein dreißigjähriger Krieg hinweggegangen ist, und das trotzdem immer wieder frisch und grün Sich aus den Zerstörungen erhoben hat. Aber im Süden verhinderten das die Sonderverhältnisse des Klimas. Und das macht den Fall der antiken Kultur besonders tragisch.
     Der Süden besitzt nämlich kein eigentliches Waldklima. Zu diesem gehört es, daß Trockenheitsperioden von mehr als sechs Wochen zu den Ausnahmen zählen und daß wenigstens einmal im Jahre eine langandauernde Regenperiode den Grundwasserstand des Bodens, aus dem die Bäume zehren, vollständig auffüllt. Wo das nicht der Fall ist, da gibt es keine Wälder, auch wenn der Mensch nicht mit zerstörender Hand eingreift, z.B. in Südrußland oder in der ungarischen Tiefebene. ilan besitzt der Wald die wunderbare Eigenschaft, daß er im Gebirge durch seine Wasserverdunstung die Luft feuchter gestaltet  und daher die Menge und Zahl der Niederschldge vermehrt. Das kann unter Umständen ganz beträchtliche Regenmengen ausmachen, das Niederschlagsquantum um 2o - 6o Proz. erhöhen.  Dadurch wird aber wieder das Gedeihen des Waldes gesichert und seine Dauer gewährleistet. So   erhält der Wald sich selbst.
      Zerstört man jedoch diesen harmonischen Zustand, dann kann sich das Klima, wenn es ohnedies hart an der Grenze eines "Waldklimas" stand, so ändern, daß der neusprießende Wald nicht mehr genügende Niederschläge vorfindet.
     Das ist an den Mittelmeerküsten auf weiten Strecken der Fall. Darum ist dort der einmal zerstörte Wald nicht wiedergekommen. Der Urteilsspruch über den Waldfrevel lautete diese Länder seien nun zur dauernden Austrocknung verurteilt.
     Manchmal kann man die Richtigkeit dieser Auffassung an einzelnen Beispielen in handgreiflichster Weise nachprüfen.
     Da ist als solches Beispiel der schon genannte große Silawald im südlichsten Teile Italiens. Er ist ein übriggebliebener Rest der einstigen geschlossenen Walddecke der Halbinsel. Die Unwegsamkeit der Gebirge, die abgelegene Lrage und die große Entfernung von Rom haben ihn beschützt. Die Stadt Cosenza - durch Platens Gedicht von Alarich jedem Gymnasiasten bekannt - liegt westlich von der Sila, die man etwa mit den europäischen Mittelgebirgen vergleichen kann, wenn sie auch etwa, doppelt so hoch ist. Aber sie ist immer noch mit herrlichen Eichen und Waldungen in den oberen Regionen mit ausgedehnten Tannenwäldern bedeckt. Viele der runden Urgebirgskuppen, die, bis 1800 Meter hoch, die beiden Meere der Halbinsel überblicken lassen, sind die Hälfte des Jahres mit Schnee bedeckt. Dieses Waldgebiet, heute zwar erheblich gelichtet, erstreckt sich über 2000 Quadratkilometer. Das ist groß genug, damit es sein Eigenklima behalten konnte. Und wie ist es beschaffen ? Es ist die regenreichste Zone Süditaliens, es enthält viele Flüsse und zahlreiche, teilweise sehr fischreiche Bäche und herrliche Viehweiden, die an 15 000 Stück Kühe und an 15o 000 Schafe ernähren. Ringsum erstreckt sich der fruchtbarste Teil von Kalabrien, üppig bepflanzt ist dieser Boden. Das ganze Gebiet von Cosenza ist ein schönes, reichbevölkertes, glückliches Land. Im Umkreis eines Halbmessers von drei Gehstanden liegen dort über 40 Dörfer und Städte. Wie sonst nirgends mehr im Süden verbinden sich da höchste Fruchtbarkeit des Bodens, starker Regenfall, Reichtum an Quellen und Bächen, gesunde Gebirgsluft, um einer dichten Bevölkerung Leben und Gedeihen zu geben. So äußert sich ein angesehener Schriftsteller, der von diesem innersten Zusammenhang natürlicher Vorbedingungen gar nichts ahnt.
     Versteht man nun, was es bedeutete, in diesem Land Naturverehrung zu pflegen und einen "heiligen Hain" zu erhalten ?
     Man vergleiche damit im gleichen Landstrich eine der entwaldeten Gebirgsgegenden, und ich kann mir alle weiteren Worte sparen.
     Versuche es nur einer, um die Südspitze Italiens zu wandern. Er glaubt, in Afrika zu sein, so herzbeklemmend öde ist es da rings um ihn. Oder er besuche einmal den Karst im Norden des Adriatischen Meeres zwischen Triest und der Insel Krk, und er sieht Wildnisse, die er in Europa, nur wenige Bahnstunden von wohlbebauten Ländereien entfernt, niemals für möglich gehalten hätte.
     So weit das Auge blickt, kein Baum, kaum einige Büschel von vertrocknetem Gras, und da und dort ein Dornenstrauch oder Krüppelbusch. Geröll und Schutt überall. Scharfkantige Felsen, welche die Schuhe zerschneiden, in wirren Trümmerfeldern übereinander, durch die sich der Pfad schlängelt. Oft genug aber verliert man ihn und klettert nun mit blutenden Händen, in unbeschreiblicher Hitze, mit dörrendem him und lechzendem Gaumen über immer neu aufsteigende Steinrippen, durch ausgetrocknete Schuttäler, in denen einst ein Bach floß, jetzt aber nicht einmal eine Fliege summt, so dürr und wasserlos ist alles. Grellweiß brennt der Kalk in den Augen, schneeweiße Berge stehen mit erschreckend steilen Felswänden am Himmelsrand dieses verfluchten Landes, oder dehnen sich knochengrau wie irgend ein verwitterhdes Skelett zur Seite der Täler. Unbarmherzig sengt die Sonne. Die Luft zittert vor Hitze und Trockenheit. Lind man schleppt sich durch diese Steinwüste verdurstend vom Morgen bis zum Abend, ohne einen Menschen, geschweige denn eine Ortschaft zu treffen. Denn die Menschen mußten diesen Ort fliehen, an dem man nicht leben kann, der ausgestoßen ist aus dem Reiche der Lebenden seit dem Tage, an dem man hier die einst auch im Karst üppig grünenden Eichenwälder fällte für die Triremen der Römer und Galeeren der Venezianer. Mit eiserner Gerechtigkeit steht das Weltgesetz über den Menschen und wagt die Lose zu auf seiner Wage des Lebens. Und ein hartes Urteil hat es vollzogen in dem scheinbar so glücklichen Süden, als es sagte: Verödung ist dort die Strafe, wo der Mensch gegen das gerade im Süden besonders empfindliche Gleichgewicht der Natur sündigt.


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