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 Betreff des Beitrags: EIN WORT ZUR EINFÜHRUNG
BeitragVerfasst: Mo 17. Jan 2011, 23:45 
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Annie France-Harrar

Humus. Bodenleben und Fruchtbarkeit

Aus: "EIN WORT ZUR EINFÜHRUNG", S. 7- 11

Zusammenfassung unter freier Verwendung des Originaltextes.


Dieses Buch ist das Ergebnis einer annähernd 40-jährigen Arbeit von Dr. h.c. Raoul H. Francé und Annie France-Harrar.

Raoul H. Francé hat unter der Bezeichnung „Edaphon" die Grundlagen der modernen Bodenbiologie und einer praktischen Humuserzeugung geschaffen.

Er publizierte zu diesem Thema „Das Edaphon, Untersuchungen zur Ökologie der bodenbewohnenden Mikroorganismen" und „Das Leben im Ackerboden" mit vielen eigenen Zeichnungen.


Die Schaffung des Begriffes „Edaphon"

Raoul H. Francé war ein hervorragender Kenner der Bodenmikrolebewelt und der Systematik von Protozoen und Algen, von Mikropilzen und Bakterien. In Zusammenarbeit mit seinen Schülern stellte er in den Jahren 1906 bis etwa 1920 die Lebensgruppen des Edaphons auf.


Raoul H. Francé und Annie France-Harrar untersuchten die wesentlichsten Landschaften der Erde:

Europäische Böden und tropische Böden, afrikanische und australische Wüstenböden, Urwaldböden von Vorderasien, Indien, Westindien, Zentralamerika und eine ganze Reihe von polynesischen und melanesischen Südseeinseln. Ägypten und Syrien. Die Süd-Staaten der USA, Florida die Everglades. Süddalmatien, die Küsten des östlichen Mittelmeeres, der europäischen Türkei, Griechenland und fast auf dem gesamten Balkan, Ungarn, Österreich, Skandinavien und Holland.


Das Edaphon als eine einheitliche Formation

Diese vielen weltweiten Untersuchungen ergaben, daß das Edaphon auf der gesamten Erde eine einheitliche Formation ist, in der es selbstverständlich viele durch Klima und Umwelt bedingte Lokalformen gibt. Es steht außer Zweifel, daß die fruchtbaren Zonen der Erde Humusgebiete sind. Die Humusbildung aber ist einwandfrei das Werk von Mikroorganismen. Ihr geht ein ebenfalls durch Mikroben gesteuerter Abbau aller organischen Reste und der Feinerosion voran, welche beide das notwendige Ausgangsmaterial zum Humus darstellen.


Die Leistungen der Mikrolebewelt des Bodens

Es gibt für jedes Stadium des Humus eine Grundbiozönose, die vorhanden sein muß, und es gibt „fakultative Symbiosen", die vorhanden sein können oder dürfen. Es kommen aber immer wieder solche vor, die bestimmten Phasen nicht zugehören, die einen falschen oder gestörten Ablauf — meistens bei der Verrottung — anzeigen und die so rasch wie möglich durch die richtigen Arbeitsgruppen ersetzt werden müssen.
Im allgemeinen ist Humus ein Reinboden, jedenfalls gereinigt von den Massen der Fäulnisorganismen, welche die Aufschließung von Abfällen besorgen.
Darum enthält er auch nicht jene pathogenen Krankheitskeime, die vor allem durch Jauche, Abwasser, Müll, Mist und jede Art sich zersetzender Rückstände in die Erde gelangen und für verseuchte Böden charakteristisch sind. Man kann schon vieles Ungünstige aus einem lebenden Präparat ersehen, was dann im Pflanzenversuch bestätigt wird durch plötzliche Krankheiten, Bodenerschöpfung und Anomalien in Wuchs, Blüte und Fruchtbarkeit.
Dadurch ist aber gleichzeitig auch die Möglichkeit einer Abhilfe von Grund auf gegeben.


Das Müllproblem und die Verwendung der Stadtabfälle von Mexiko

In Mexiko hatte Annie France-Harrar die Gelegenheit, ihr Wissen über das Edaphon und den Prozeß der Humusproduktion praktisch anzuwenden in der Humifizierung von organischen Materialen.

Zunächst ging es auch in Mexiko, wie überall, um die Frage der Verwendung der Stadtabfälle. Das Müllproblem ist heute für uns gelöst. Wir überwachen die Müllverarbeitung in mexikanischen Städten und übernehmen die notwendige Laboratoriumskontrolle, um die gleichmäßige Güte des Endproduktes zu sichern.
Im Klima der kalten Subtropen wie in der Stadt Mexiko, der „Tierra fria", dauert es acht Wochen, um Müll, Schlachthofabfälle, Kanalschlamm etc. nach unserer Methode in Humus umzuwandeln. In den eigentlichen Tropen bedarf es dazu nur sechs Wochen, im gemäßigten Klima (Europa, USA) zwölf Wochen. Im nördlichen Klima muß man, je nach Besonnung, meist noch ein paar Wochen zugeben.
Im allgemeinen kann man sagen, daß Stadtabfälle, Abwassersedimente u. dgl. am einfachsten und schnellsten in Humus umzuwandeln sind. Die sich durchschnittlich ergebende Menge beträgt bei der sowohl teuereren als weniger exakt arbeitenden Handarbeit ca. 66 Prozent, kann aber bei einer maschinellen Anlage bis auf 75 Prozent des Ausgangsproduktes Die durchschnittliche Feuchtigkeit bei Humus, der ja eine „lebende" Materie ist, darf keineswegs unter 40 Prozent liegen.
Es handelt sich dabei aber nicht um „Wasser", sondern um eine hochwertige, organismen und nährstoffreiche Infusion, welche die Pflanzenwurzel optimal auswertet.


„Saprofil"

Bei der Verarbeitung großer Massen von Stroh, Plantagenrückständen, Kaffeepulpa, Zuckerrohr- und Henequenbagazo, Magueypflanzen, leeren Maiskolben, Holzabfällen, Baumwoll- und Erdnußüberbleibseln etc. zu Humus mit teils recht schwer aufschließbaren Resten war es notwendig, einen Modus vivendi zu finden, der diese Aufschließung beschleunigt. Er wurde nach längeren Versuchen ausgearbeitet in Form eines intensiv und rasch wirkenden Produktes, das „Saprofil" genannt wurde. Es ist rein biologischen Ursprungs und beruht auf dem natürlichen Prozeß des Zelluloseabbaues.
Dabei wird der wirtschaftlich sonst nicht tragbare Vorgang der Verrottung — der in der Natur meist Jahre dauert — sehr wesentlich abgekürzt.
Es wurden an Interessenten und große Ranchobesitzer ausgearbeitete Rezepte gegeben und ihnen „Saprofil" dazu geliefert. Gleichzeitig wurde die Kontrolle über die hergestellten Arten von Zellulosehumus übernommen und der Hersteller über die optimale Form der Anwendung beraten.

In Mexiko wurden auf diese Weise Tausende von Tonnen Zellulosehumus produziert.
Dieser Zellulosehumus ist bodenbiologisch überaus hochwertig und hat abnorm hohen edaphischen Formenreichtum.
Im Aussehen gleicht er einem erstklassigen Laubwaldhumus.


Das "Humusdefizit" der Landwirtschaft

Selbst wenn man alle Stadt-, Industrie- und Landabfälle zusammenfassen würde, könnte daraus nicht genügend organische Substanz gewonnen werden, um das Humusdefizit der Landwirtschaft zu decken !


Die Lösung des "Humusproblems"

Alle die großen irdischen Kreisläufe verbinden ständig das lebende Plasma mit dem toten Mineral. Diese Aufgabe fällt zum größten Teil den Mikroorganismen zu. Der Prozeß ist viele Jahrmillionen alt und längst in allen seinen Feinheiten eingespielt.

Ist es möglich, diesen in der Natur sehr langsamen Vorgang so zu steuern, daß er im zeitlichen Verlauf den Bedürfnissen der Praxis in Gärtnerei und Landwirtschaft gerecht wird ?

Es ist möglich und gelang durch das von Annie France-Harrar entwickelte „Petrofil".


„Petrofil"

Das „Petrofil" wurde in Mexiko ausgearbeitet. Seine Entwicklung war gewissermaßen die Antwort der Bodenbiologie und Edaphologie auf den Notschrei der verwüsteten Böden.
Im Labor von Annie France-Harrar wurden Zehntausende von „Ladrillos" produziert, das sind Einzelziegel von „Petrofil".
Ein Einzelziegel enthält in zeitlich unbeschränkt haltbarer Form die mineralaufschließenden Organismen für je l cbm (Kompost-)Rohbeet.

Im „Petrofil" sind alle die Mikroben enthalten, die Humus aufbauen, nachdem Abbau der organischen Masse durch die Verrottung abgeklungen ist.


"Bolitas": in "Petrofil" eingepackte Samen

Mit derselben Masse werden auch Samen umkleidet, die in Böden zur Einsaat kommen, die besonders arm an Mikroorganismen sind.

Böden in denen keinerlei organische Substanz vorhanden ist, erhalten durch Aussaat nach obiger Methode behandelten Saatgutes in fünf bis zehn Jahren eine Erdschicht.
Voraussetzung ist nur, daß Wasser erreichbar ist.

Wenn man Bolitas, also in Petrofilmasse eingepackte Samen von Mais, Bohnen etc. aussät, wandern die höchst aktiven mineralliebenden Organismen aus und setzen auf Grund ihrer starken Vermehrung den Boden in eine organisch infiltrierte Substanz um.
Selbstverständlich ist die erste, so entstandene Erde noch hochmineralisch. Aber sie ist eben doch schon Erde und im Gegensatz zum früheren Zustand enthält sie Mengen von tätigen Organismen.

Im Mikroskop läßt sich beobachten, wie die Mikroorganismen in den von ihnen gebildeten Zoogloeen oft anorganische kleinste Mineralpartikel in ihrer Gallerte einfangen, festhalten und auflösen. Sie setzen den Boden so in eine organisch infiltrierte Substanz um.
Auf diese Weise entsteht auch die notwendige Krümelung.


Im ersten Jahr

Während zwar in den ersten Jahren naturgemäß der Ernteertrag bescheiden ausfällt, kann man schon im ersten Jahr immerhin mit einer beginnenden Bodenbildung rechnen!

Während man bei hochmineralischen, z. B. Tonböden, mit der gefürchteten, luftlosen, zementartigen Struktur rechnen muß, ist ein so gebildeter Boden schon in der ersten Phase sehr gut durchlüftet. Darum sind die Wurzeln, selbst die zartesten Adventivwurzeln, sehr gut ausgebildet, was wieder eine gute Ernährung der Pflanze zur Folge hat.

Im zweiten und dritten Jahr

beträgt die mit Organismen und organischer Substanz durchsetzte Schicht meist schon mehr als 30 cm. Das ist die eigentliche Lebenszone des Edaphons.
Nach unseren Versuchen kann man auf solchen Böden schon anspruchslosere Blattgemüse wie Kohl und Salat pflanzen.
Man verbessert nun den Boden, indem man die fehlende edaphische Mikrobenquote hinzufügt.

Im dritten und vierten Jahr

sind bereits mittelgute Ernten erzielbar.
Die Bodenverbesserung schreitet zusehends voran, weil die Mineralien durch die reichlich vorhandenen Mikroben laufend aufgeschlossen und zur Bildung organischer Substanz nutzbar gemacht werden.


Die auf „Petrofil" aufgebaute Methode zur Bodenverbesserung, die sich auf die lithobiontischen Organismengruppen stützt, ist überall anwendbar, sogar bei Trockensteppen und Halbwüsten, im Gebirge und auf Steppen - sobald die Wasserfrage geklärt ist.


"Edaphon" ("Edafil" in Europa)

Dieser „Impfstoff" ist eine natürliche Biozönose der im guten Boden vorhandenen Aufbauorganismen, die in der verarmten Erde fehlen.
Das „Edaphon" ist bestimmt für Böden, die zwar genügend organische Substanz besitzen, aber in ihrer Mikroflora gestört und verarmt sind.

Das „Edaphon" ist auch bestimmt für Kompost dessen Abbauprozess durch Verrottung beendet ist.
Nach diesem Zersetzungprozess muß zur weiteren Humufizierung der Kompost von den aufbauenden edaphischen Mikroorganismen besiedelt werden, Protozoen und Kleintieren, die daraus den eigentlichen Humus bilden.
Diese enthält der „Humusaufbauer-Impfstoff" "Edaphon".

„Petrofil". ist eine spezielle Form von "Edaphon".
Bei degenerierten, in ihrer Struktur zerstörten Böden muß die organische Substanz vermehrt werden mit Hilfe von Organismen, die imstande sind, das mineralische Übermaß umzusetzen. Diese Organismen, die Lithobionten, sind im „Petrofil" enthalten.


„Saprodon"

Es wurde auch ein „Saprodon" zu entwickelt, das indirekt an der Humusproduktion teilnimmt.
Seine Aufgabe ist eine biologische Abwasserklärung, so daß das geklärte Wasser wiederum für Tiere und Pflanzen und als Nutzwasser verwendet werden kann.
Außerdem beseitigt es durch seine rapide Tätigkeit in kürzester Zeit alle üblen Gerüche von Senkgruben, Massenaborten und langsam fließenden Abwassergräben verschiedenster Herkunft.
Nach dem natürlichen Beispiel des bekannten Prozesses der Selbstreinigung verschmutzter, fauliger Wässer werden diese biologisch geklärt durch „Einsaat" einer besonders aktiven Biozönose von Organismen.
Sie können Eiweiße, Fette, Zucker, Zellulosen, Pektine, aromatische Stoffe und Alkaloide aufschließen und humifizieren.


Das Zusammenwirken der chemischen und biologischen Bodenbildung

Annie France-Harrar hat sich auch vertieft mit dem Problem der beiden großen Linien der chemischen und der biologischen Bodenbildung beschäftigt mit dem Ziel, in Würdigung der Erkenntnisse beider Richtungen dem Boden im besten Sinne zu dienen.
Dies ist möglich durch eine bestimmte Kombinierung von „Petrofil" mit den Mineraldüngern.

Aber: zur "Auffrischung" erschöpfter Böden ist keine Methode brauchbar, die nicht gleichzeitig Humus schafft.
Dies kann jedoch nicht durch „Dünger" allein geschehen.


Das optimistische Resultat der Arbeit von Annie France-Harrar

Nicht nur die durch "konventionelle" Landwirtschaft verarmten Böden sondern auch die einstigen „Kornkammern" der alten Welt können wieder zu dem gemacht werden, was sie einmal waren.

In einem Menschenalter kann man Böden für die Nahrungsmittelanbau wieder zurückgewinnen, die heute als minderwertig, unfruchtbar oder als verloren gelten.


Da mir vor kurzem die Möglichkeit einer kostenlosen Übersetzung von einigen Seiten angeboten wurde, habe ich vor, diesen Text ins Englische übersetzen zu lassen als Baustein für eine zukünftige englische Variante der Webseite France-Harrar.de


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